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coming soon !

Schön morbid:
Die 3. Biennale Bern ist mit einem Konzert der Dead Brothers und einem Stück des Choregrafen Gilles Jobin gestartet

- Original Artikel mit Bildern als PDF -

The Dead Brothers haben der Berner Biennale einen unvergesslichen Auftakt beschert. In neuer Besetzung hat die Band in der Dampfzentrale süsser denn je in kammermusikalische Abgründe geführt.

«Wieso wir über den Tod singen? Für mich ist Musik dann am spannendsten, wenn sie sich um zentrale Momente des menschlichen Lebens dreht. Nun ja, der Tod könnte ein solcher Moment sein.» Alain Croubalian, Musiker, Schauspieler und einzig verbliebenes Mitglied der ursprünglichen Dead Brothers, lehnt sich im Gartenstuhl zurück, richtet seinen Blick in die finstere Nacht, dorthin, wo schwarz die Aare vorbeifliesst, und grinst.
In einer halben Stunde wird er sein zerschlissenes Megafon aus seinem Arztköfferchen zücken, wird mitten ins Publikum stehen und mit säuselnder Stimme ankündigen, dass wir nun auf eine Reise gehen, eine musikalische Reise, von der er dem Publikum nicht sagen dürfe, wohin sie führe. Was nun folgt, dauert neunzig Minuten und dürfte eines jener Konzerterlebnisse sein, die in Erinnerung bleiben werden. Dass an diesem Eröffnungsabend der «Biennale Bern 2008» das Kesselhaus der Dampfzentrale nur gut zu einem Drittel besetzt ist, kommt der eigentümlichen Intimität des Auftritts durchaus zugute. Doch schön der Reihe nach.
Wenig berühmt, aber berüchtigt
The Dead Brothers sind ein Kuriosum: eine Begräbniskapelle, die sich in alternativen Kulturzentren statt auf Beerdigungen tummelt. Seit 1995 erspielte sie sich mit vier exquisiten Alben (alle erhältlich bei Voodoo Rhythm Records), mit makaberem Vaudeville-Theater und Musik zwischen Punk, Chanson, Walzer und Gipsy ein eingeschworenes Publikum. Die toten Brüder wurden dabei nicht berühmt, aber weit über die Landesgrenzen hinaus berüchtigt. Die Faszination dieser Band geht von ihrer künstlerischen Offenheit aus: Ihre Mitglieder machen Musik, erzählen Geschichten, spielen Theater, improvisieren und provozieren. Legendär etwa die Horrorrevue, welche sie mit der bezaubernden Eleni Mandell und dem ihnen gleichgesinnten Reverend Beat-Man an der Expo.02 aufführten.
The Dead Brothers sind weniger eine Band als ein Kollektiv. 2007 stiegen zwei Mitglieder der Kernformation aus, die Band drohte nach Veröffentlichung des jüngsten Albums «Wunderkammer» einzugehen. Croubalian ergriff die Flucht nach vorne, scharte neue Musiker um sich, erweiterte den Namen in Dead Brothers Sweet String Orchestra. Ein Neuanfang? «Ja und nein», sagt Croubalian, «die Idee ist dieselbe, allein die Form ist etwas Neues.» Weg vom Rumpelorchester mit Blechtuba und Kanisterpauke hin zur gepflegten Streichmusik, die eher in der Kammermusik als an einem Mardi-Gras-Umzug zu verorten ist. Der Blues bleibt nach wie vor der Kern der Dead-Brothers-Musik, doch entsteht im Aufeinandertreffen von Streichmusik und bodenständiger Folklore eine neue Spannung - eine aktuelle Form des Zwiegesprächs zwischen ernster und unterhaltender Musik.

Grausam schöne Balladen
Im Kesselhaus der Dampfzentrale ist von Zwiespalt derweil nichts zu spüren. In aufmerksamer Andacht horcht das Publikum den grausamen Balladen Croubalians und dem herzzerreissend schönen Spiel seiner Mitmusiker Matthias Lincke (Geige und Mandoline), Stefan Baumann (Cello) und Patrick Kessler (Kontrabass). Die einzigen Misstöne dieses Abends sind auch allein auf Croubalians Saturn-E-Gitarre zurückzuführen, deren kaputte Elektrik Störgeräusche erzeugt, die in etwa wie eine Kreissäge in einem Sinfonieorchester wirken. Neben wenigen neuen Liedern - eine nächste Platte sei in Vorbereitung - spielen sie altes Material, geben eine herrliche Version von «Teenage Kicks» zum Besten und suhlen sich im Blues. Für Alain Croubalian, der mit entrücktem Blick, ähnlich dem eines Morphinisten, durch den Abend conferiert, die einzig wahre Musik, für die hierzulande durchaus Nachholbedarf bestehe: «In der Schweiz haben die Menschen nie den Blues gesungen. Sie hatten keinen Grund dazu.»

Der Bund, Markus Züger [15.09.08]

 

Some older reviews, articles, interviews until 2006:

Link to a video. Preview/review for the DEAD BROTHERS Show in Deventer / Netherlands.

KNX Radionews USA - very nice story about the DEAD's on KNX Radio Website.

JUNGE WELT - about records, the movie, the tour, etc, etc. by Franz Dobler

Zürich Usgang.ch - Nice photo shots from Mascotte- Gig in Zürich...

Das Netmagazin - Mai 2006 "...Tragisch-komisch und berührend singen die Dead Brothers auf Französisch, Deutsch und Englisch von Liebe und Tod, dass einem das Blut in den Adern gefriert, man mit Weinkrämpfen kämpft oder vielleicht auch ganz ausgelassen das Tanzbein schwingt..."

BBC - Radio Saturday Night on BBC London / Charlie Gillet - Interview, Stories and more...

DRESDNER NEUSTE NACHRICHTEN - "Mit dem Banjo um die Gräber" Konzertkritik

FRANKFURTER RUNDSCHAU - "Unbedngt hingehen..." Konzertankündigung

BLUES MATTERS - Record review...

SHOT ME AGAIN - Record review...

 

Dresdner Neueste Nachrichten vom 7.11.2004

Mit dem Banjo um die Gräber

Ein rabenschwarzer Rabe sitzt auf einem Gartenzaun in Altwachwitz und hustet. Erkältung, Scheißwetter und die Wiederwahl von Cowboy Junior machen ihm zu schaffen, heute hat ihn auch noch seine Freundin aus dem Nest geschmissen und er weiß nicht mehr wohin; bei Rabeneltern um Asyl bitten? No way. Auf dem Misthaufen gammelt ein vergessener Halloween-Kürbis vor sich hin, es regnet Bindfäden - der schönste Tag zum Sterben.
Da ertönt von Ferne ein todmüdes Tuba-Brummen, jemand zupft mit Skelettfingern monoton auf einem Banjo herum und ein Akkordeon ächzt in hilfloser Schräglage. Vier abgerissene Musikanten mit schwarzen Zylindern und schmierigen Haaren darunter wanken durch die trüben Lichtkegel der Straßenlaternen. Vorneweg mit fiebrigen Augen der Sänger, der abgebrochene
Liebeslieder und unvollendete Moritaten in ein altes Megaphon krächzt.
The Dead Brothers, "the one and only funeral orchestra", are in town. Marschieren zum Gare de la lune, wo Falk, der Veranstalter sie hinhaben wollte.

Wer aus diesem Wetter kommt und den alten Saal im Mondbahnhof betritt, merkt sofort, dass dies der ideale Platz für ein solch altmodisch-schräges Stelldichein ist. Lustig tanzen wird hier heute niemand, lachen wird man trotzdem, dem Tod ins Gesicht grinsen, wenn der Sänger zwischen einem tranigen Beerdigungsmarsch und einer halsbrecherischen Zombiepolka von Schlagzeugschüssen getroffen von dem Tisch stürzen wird, auf dem er gerade noch getanzt und um die Mitleids-Gunst der anwesenden Frauen gebuhlt hat. So einem toten Bruder hilft natürlich keiner, der bleibt liegen, und die Tuba schleppt sich noch ein Stück und der Himmel windet seine grauen Wolken wie alte Scheuerlappen aus.

Aber der Sänger war ja vorher schon tot und der Allmächtige zerrt ihn an seinen Fäden noch einmal auf die Bühne diesseitigen Elends, es gibt noch mehr Schauriges zu berichten. Egal, ob frei erfunden oder von anderen toten Ewiglebenden wie Hank Williams geklaut - das klapprige Ensemble ist für das Publikum ein ganz besonderes Erlebnis, Balsam für die irdische Seele in
solchen Tagen, gut für den Bourbon-Umsatz des Hauses allemal.

Die Dead Brothers aus Genf haben mit "Dead music for dead people" und "Day of the dead" (beide Voodoo Rhythm Rec.) zwei erstklassige Tonträger morbider Kleinkunst veröffentlicht und zeichnen nun für den gerade erschienenen Soundtrack zum Kinofilm "Flammend' Herz" verantwortlich, in dem es um tätowierte Männer jenseits der 90 geht. Ihre Wurzeln haben die Musiker mit ausgeprägtem Hang zur Theatralik teils im Jazz, teils im Punk'n'Roll. Als
Dead Brothers haben sie sich nun irgendwo zwischen Prag und New Orleans verlaufen, wandeln im Sumpf zwischen den musikalischen Welten und fragen sich die ganze Zeit "How deep is the water?". Ziehen sich dann mit einer swingenden, angejazzten Gitarren-Nummer wieder soweit aus dem Dreck, dass sie weiterlaufen können - raus aus dem Gare de la lune (so um Mitternacht)
und weiter ins nächste Kaff. Ein rabenschwarzer Rabe kippt rücklings von einem Gartenzaun in Altwachwitz und hustet nicht mehr.

Norbert Seidel

 

Frankfurter Rundschau 2002
>UNBEDINGT HINGEHEN Dead Brothers Schon aus der Ferne kann man sie kommen hören. Eine Prozession. Fünf zerlumpte Gestalten in schlecht sitzenden Anzügen mit schwarzen Zylindern. Schwankend setzen sie einen Fuß vor den anderen. Das Piano hat wohl mal wieder nicht die Finger vom Fusel lassen können, so wurde es zur quietschenden Quetschkommode degradiert. Eine Tuba knarzt den Rhythmus, die Trommel patscht mit jedem Schlag eine Ohrfeige ins Gesicht des guten Geschmacks. Gitarre und Banjo schreien und zirpen so verhallt, als lägen sie schon in der Gruft, die die anderen erst noch ansteuern.
Und dann der Sänger. Er hat einiges gesehen, erzählt Geschichten vom Tod. Der hat viele Stimmen. Mal schleicht er sich wie ein öliger französischer Chansonnier ins Haus ein und entführt die Tochter, mal lässt er mit megaphonverzerrtem unheimlichen Geschrei die Mauern zum Jenseits einstürzen. Oder er streckt mit einem verführerischen Lächeln die Hand aus und sagt freundlich, komm mit mir, ich zeige dir eine Welt, in der alles besser und schöner ist . . . Es ist ein florierendes Unternehmen, das die Gebrüder Tod da führen.
Die fünf musikalischen Bestatter aus der Schweiz kennen keine Konjunkturschwankungen, gestorben wird immer. Und verstorbene Musiker, deren Stücke sie in eigenen Interpretationen zu Grabe tragen können, lassen sich auch immer finden. Die Dead Brothers wissen, dass der Tod viele Gesichter hat. Ausgelassene Polkas, die keine Angst vor dem Ende kennen, spielen sie genauso wie lebensmüde neapolitanische Volkslieder, Sauf-ich-mich-halt-kaputt-Country und Voodoo-Beschwörungen aus den Sümpfen, Blues aus der Todeszelle wie Tom-Waits-Affenzirkus-Jazz. Walzer, die sich immer langsamer drehen, genauso wie Trauermärsche voller Schadenfreude. Oder den Ramblin' Man von Hank Williams. Ein Konzert der Genfer Dead Brothers - nicht etwa ganz besonders morbide Gesellen, sondern allesamt ehrbare Jazzer und Theatermusiker - ist ein Spektakel für sich. Besseres als diesen Tod finden Sie an einem Novembersonntag so schnell nicht.<

 

BLUES MATTERS (UK) 2006
On the album, this record label describes itself as one that seems to take pleasure in releasing "Records to ruin any party"...it is not an easy listen but it really grows on you. The band is based in Geneva and this is their fourth album as far as I can tell. They describe their style as "Funeral Orchestra Mission". They helpfully suggest that it is a mixture of Gypsy music, Django Gypsy jazz, rock 'n' roll and country. The first thing that came to mind was a mixture of Vaudeville style music hall, blues, and what really sums it up for me is the phrase "gothic jazz/blues." There is the most bizarre mixture of song styles, instruments, banjo, trombone, steel drums, lap steel guitars, accordion, Indian prayer box, tuba, French horn. Then there are the various vocal styles, mellow, strangled, mournful and whispered. Rhythms vary from Greek swing, Waltz, shuffles and rock beats. There are songs in English, French and German. So not a "normal" blues album, but good fun if you are in the right frame of mind, legal or not!

Rick Lacey

 

SHOOT ME AGAIN (France) 2006
Je suis toujours emballé quand je reçois un album de chez Voodoo Rhythm Records. Cette fois, c'est pas très garage, pas vraiment même. Il s'agit des Suisses The Dead Brothers. Cela fait sept ans que le groupe de Genève écume les bars et les salles de concerts. Après 2 albums progressivement appréciés par un public de moins en moins initié, et avant ce 3ème album The Dead Brothers a réalisé la B.O. du film "Flammend Herz" dédié au tatoueur de légende Hubert Hofmann.
"Wunderkammer" concentre jazz, folk blues, musique tzigane et cajun, mais également voodoo punk. The Dead Brothers, c'est un peu un mélange de Nick Cave et de Tom Waits sorti des profondeurs marécageuses du Bayou.
Ce sont des voix chaudes mais fatiguées, brûlées par les tonnes de cigarettes grillées en désespoir du temps à vivre, rincées au whisky de contrebande en désespoir du temps vécu.
Ce sont des ryhtmiques paresseuses flanquées d'une fanfare funeste enkilosée. Les cultures s'entrechoquent provoquant une impression plutôt schizophrène.
On s'invente au gré des morceaux, des visages étranges, diformes et atypiques, en noir et blanc, à qui on attribue l'histoire racontée ou pleurée par la collaboration des cuivres à l'accordéon.
Il est difficile de rester insensible à cet album, les petits défauts ou points faibles des premières écoutes s'évaporant au fur et à mesures que le disque passe et repasse sur la platine.

 

(Junge Welt, 11.10.2006)
Beerdigungen und andere Tanzvergnügen
Die "Dead Brothers" sind unterwegs hier und dort. Von Franz Dobler

Einen netten, coolen oder ordentlich zum Abrocken animierenden Abend bereiten: mit diesem respektablen Ziel sind die meisten Bands gut beschäftigt, falls nicht überfordert. Auf den Plakaten der Dead Brothers heißt das Ziel etwas anders: "We'll Bring The Dead To The Living And The Living To The Dead". Und alle, die dabei an Heavy Metal oder eine Fantasy-Gothic-Märchenstunde denken, bekommen noch den Hinweis: "Funeral Orchestra".
Und das meint sie ernst, die international besetzte Beerdigungskapelle aus der Schweiz. Ein Konzert mit ihnen ist eine Geisterbahnfahrt, bei der es einem dann doch plötzlich ganz komisch wird in der Seele. "Man kann sie für Zirkusvorstellungen und Barmitzvahs buchen", steht auf der Homepage, "aber nochmal, sie spielen auf Beerdigungen, nicht auf Geburtstagspartys".
Passenderweise wurden sie von Christoph Marthaler für eine Inszenierung in Zürich angeheuert, und auch auf dem Jazzfestival in Montreux waren die Männer in den schwarzen Anzügen zu sehen. Ihr Soundtrack für "Flammend Herz", den Dokumentarfilm über den berühmten Tätowierer Herbert Hofmann, ließ keinen Gedanken an die modischen Aspekte des Gewerbes aufkommen. In diesem Jahr haben sie auch einen eigenen, großartigen Dokumentarfilm bekommen, "Death Is Not The End" vom Frankfurter Regisseur Marc Littler.
Ihr neues, viertes Album "Wunderkammer" ist wie die anderen auf Voodoo Rhythm Records erschienen und wird so gefeiert: "This Is The White Album Of The Dead Brothers!!!" Und tatsächlich, ihre Mischung aus orientalischen, armenischen, auch alpenländischen und amerikanischen Einflüssen, mal von Django Reinhardt, dann von Hank Williams angefeuert, ist besser denn je, taumelnd zwischen Wehmut und trotzigen Krachern, die sagen, so ist das mit dem Leben, es ist nah am Tod, also was soll's! Wer dem Glauben anhängt, sie auf seiner eigenen Beerdigung nicht hören zu können, sollte sich den Gefallen tun.

Die Dead Brothers spielen im Oktober, u.a. 11. München, 12.Wien, 14. Innsbruck, 15. Augsburg, 18. Hannover, 19. Hamburg, 20. Berlin, 21. Lübeck, außerdem in Frankreich und der Schweiz. (Mehr Daten, Videos und Sound bei: youtube.com, voodoorhythm.com und slowboatfilms.com)